Bildungsreise des Farbkleckse-Teams nach Luxemburg
Mehrsprachigkeit und Demokratiebildung standen im Fokus der unserer Bildungsreise mit Erasmus+.
Im November 2025 reisten die Kolleg*innen des Fröbel-Kindergartens Farbkleckse im Rahmen des Erasmus-Programms nach Luxemburg, um sich den Themen Mehrsprachigkeit und Demokratiebildung in der frühkindlichen Bildung zu widmen. Neben dem Wunsch, eine gemeinsame Zeit als Team zu erleben, war das Ziel dieser Erasmus-Mobilität, Einblicke in die luxemburgische Bildungsarbeit zu gewinnen, innovative Ansätze kennenzulernen und diese für die eigene pädagogische Praxis nutzbar zu machen.
Begleitet wurden die Farbkleckse von einer Leitungskollegin aus Königswinter, die in Luxemburg aufwuchs, dort zur Schule ging und während ihrer pädagogischen Ausbildung beim Bildungsträger Elisabeth in Luxemburg arbeitete. Nora Muller stellte den Kontakt zum Kooperationspartner her und ebnete den Weg für diese Erasmus-Reise des Fröbel-Teams aus Hürth.
Ein Land der Sprachen – Mehrsprachigkeit im luxemburgischen Bildungssystem
Die Pädagog*innen der Farbkleckse wurden am ersten Tag der Bildungsreise in den Konferenzräumen des Trägers Elisabeth aufs Herzlichste begrüßt und erhielten in einer anschaulichen Präsentation Einblicke in das luxemburgische Bildungssystem, in die Rahmenkonzeption des Trägers sowie in die Strukturen und Rahmenbedingungen der Krippen, Kitas und Horte. Zudem erfuhren sie, wie in Luxemburg die mehrsprachige Bildung nicht nur politisch gewollt, sondern auch gefördert wird, und lernten in einem Crashkurs erste Wörter auf Luxemburgisch.
Ein weiterer Schwerpunkt der Reise lag auf der Demokratiebildung im Elementarbereich. Die Leiterin einer Maison Relais – was übersetzt „Haus der Brücken“ bedeutet und in der Kinder im Alter von 4–12 Jahren betreut werden – zeigte in ihrer Präsentation, wie Kinder in ihrer Einrichtung frühzeitig lernen, ihre Meinung zu äußern, Verantwortung zu übernehmen und partizipativ Entscheidungen zu treffen. Besonders eindrücklich war, dass die Kinder in den Maisons Relais ganztägig von 6:00 bis 19:00 Uhr betreut werden können, dass das außerschulische Angebot für Familien kostenlos ist und ausschließlich von pädagogisch ausgebildeten Fachkräften begleitet wird. Die Leiterin hob hervor, dass allen Pädagog*innen die Beteiligung der Kinder an Entscheidungsprozessen besonders wichtig ist. Sie entwickelten ein System, ähnlich einer Kinderkonferenz, in dem Kinder besondere Rollen übernehmen und Steuerungsaufgaben wahrnehmen. Diese Form der Beteiligung stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern auch soziale Kompetenzen und Empathie.
Sightseeing in Luxemburg-Stadt – Geschichte, Kultur und viele Aha-Momente
Am Nachmittag des ersten Tages nutzten die Farbkleckse die Gelegenheit, die Hauptstadt des Großherzogtums zu erkunden. Nora Muller bot dem Team als waschechte Luxemburgerin einen faszinierenden und persönlichen Einblick in die kulturelle Vielfalt ihres Landes.
Der Rundgang führte vorbei am Place d’Armes, im Volksmund „Plëss“ genannt. Der belebte Platz im Stadtzentrum ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher*innen. Nur wenige Schritte entfernt liegt der Knuedler, der „Place Guillaume II“. Besonders beeindruckend war das historische Stadthaus, vor dem das Denkmal des „Renert“ steht – ein listiger Fuchs aus der luxemburgischen Literatur, Symbol für Witz und nationale Identität.
Ein Höhepunkt des Rundgangs war der Palais Grand-Ducal, die offizielle Residenz des Großherzogs Guillaume, der auf Luxemburgisch „Grand-Duc“ genannt wird. Er hatte wenige Tage vor dem Besuch der Farbkleckse in einer großen Staatszeremonie seinen Eid als neues Staatsoberhaupt abgelegt. Als ältester Sohn von Henri ist er nun der neue Grand-Duc.
Weiter ging es zum Fëschmaart, dem Fischmarkt, einem der ältesten Plätze der Stadt. Besonders auffällig sind die markanten Türmchen, auf denen das berühmte Motto „Mir wölle bleiwe wat mir sin“ („Wir wollen bleiben, was wir sind“) zu lesen ist. Dieses Zitat steht sinnbildlich für das Selbstverständnis Luxemburgs: weltoffen, aber stolz auf die eigene Identität.
Von dort führte der Weg zur Corniche, oft als „Balkon Europas“ bezeichnet. Der Panoramaweg bietet einen atemberaubenden Blick auf das Tal des Gronn (Grund) mit seinen historischen Gebäuden, Brücken und der Alzette. Hier wurde deutlich, warum Luxemburg-Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt: Geschichte und Natur verschmelzen zu einem eindrucksvollen Stadtbild.
Ein weiterer Halt war die Kathedrale Notre-Dame und das Denkmal der Gëlle Fra – die „Goldene Frau“. Sie ist ein Symbol für Frieden, Freiheit und die Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
Im Stadtteil Grund (Gronn), tief unten im Tal, entdeckten die Farbkleckse inmitten historischer Mauern und kleiner Gässchen die Statue der Melusina. Sie sitzt am Ufer der Alzette in einem liebevoll angelegten Garten. Die sagenhafte Wassernixe soll die Gemahlin des Stadtgründers Siegfried gewesen sein. Sie heiratete – der Legende nach – den Grafen nur unter der Bedingung, dass sie jeden Samstag im Monat zur freien Verfügung habe. Im Laufe der Jahre trieb die Eifersucht den ersten Grafen von Luxemburg dazu, sein Versprechen zu brechen. Er folgte Melusina in ihre privaten Kammern, um sie an dem verbotenen Tag heimlich beim Baden zu beobachten. Er sah durch das Schlüsselloch und entdeckte, dass seine Frau einen Fischschwanz hatte, den sie heimlich ins Wasser tauchte. Als Melusina bemerkte, dass Siegfried sie beobachtete, verschwand sie in den Fluten der Alzette. Der Graf sah seine geliebte Melusina nie wieder. So tragen die Luxemburger*innen die Legende von Melusina bis heute weiter.
Zum Abschluss ging es mit dem Panorama-Aufzug Pfaffenthal wieder hinauf auf das Stadtplateau. Die gläserne Kabine bot einen spektakulären Blick über die Altstadt und das Tal – ein moderner und zugleich symbolischer Abschluss eines Rundgangs, der Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise verband.
Best Practice – Hospitationen in den Bildungseinrichtungen
Während der Hospitationen am zweiten Tag erhielten die deutschen Pädagog*innen in mehreren Crèches (Krippen), Kindergärten und Maisons Relais (Horte für Kinder von 4–12 Jahren) spannende Einblicke in die „gelebte Mehrsprachigkeit“. Besonders beeindruckend war, wie selbstverständlich die Kinder zwischen den Sprachen wechseln und wie bewusst die pädagogischen Fachkräfte diesen Prozess durch ihr sprachsensibles Handeln im pädagogischen Alltag unterstützen. Die Pädagog*innen aus Deutschland erlebten in puncto Sprachbildung Best Practice, denn Luxemburg ist in Europa das Paradebeispiel für gelebte Mehrsprachigkeit: Luxemburgisch, Deutsch und Französisch sind gleichberechtigte Amtssprachen und legen schon in der frühkindlichen Bildung den Grundstein für eine offene Sprachkultur.
Ein zentrales Lernziel der Fortbildung war es, den Umgang mit Mehrsprachigkeit nicht als Herausforderung, sondern als Ressource zu begreifen. Die luxemburgischen Kolleg*innen betonten dabei, wie wichtig eine wertschätzende Haltung gegenüber allen Sprachen der Kinder ist – unabhängig davon, ob es sich um Landessprachen oder Familiensprachen handelt.
Austausch und Reflexion
Der dritte und zugleich letzte Tag der Reise bot Raum für fachlichen Austausch und Reflexion. In den Konferenzräumen hatten Pädagog*innen beider Länder die Gelegenheit, sich in gemeinsamen Gesprächsrunden über die Parallelen und Unterschiede zwischen dem luxemburgischen und dem deutschen Bildungssystem auszutauschen und die gemachten Erfahrungen zu reflektieren. Dabei zeigte sich, dass demokratische Bildung und Sprachförderung eng miteinander verbunden sind: Kommunikation, Mitbestimmung und Wertschätzung bilden die Basis für eine inklusive und offene Gemeinschaft.
Erkenntnisse und Ausblick
Die Kolleg*innen aus Hürth kehrten nach den intensiven Tagen mit zahlreichen Impulsen und neuen Ideen zurück und tauschten sich bereits in der ersten Teamsitzung über die gemachten Erfahrungen aus. Erste Umsetzungsideen wurden entwickelt.
Langfristig soll die Erasmus-Partnerschaft mit den luxemburgischen Einrichtungen fortgeführt werden, um den interkulturellen Austausch zu vertiefen und voneinander zu lernen. Eine Einladung der Farbkleckse wurde mit großer Freude von den luxemburgischen Kolleg*innen angenommen.
Erasmus+ bei Fröbel
Fröbel ist für die Erasmus+ Förderperiode 2021–27 akkreditiert. Das Erasmus+ Programm ermöglicht Fröbel-Beschäftigten, sich mit Fachkräften innerhalb Europas auszutauschen, Neues zu lernen und die eigene Expertise weiterzugeben. Ganze Teams und einzelne Fachkräfte können in einer Kita in einem anderen Land hospitieren und freuen sich, andere Kulturen zu erleben. Fröbel steht im Gegenzug auch als Erasmus+ Partner für Besuche in Deutschland zur Verfügung.
www.froebel-gruppe.de/erasmus
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