Was bedeutet für uns Mitbestimmung und Selbstbestimmung?

Bildung, Erziehung und Betreuung in unserer Einrichtung tragen dazu bei, dass jedes einzelne Kind gleiche Rechte und gute Chancen für eine lebenswerte Perspektive in dieser Gesellschaft hat, unabhängig von seinem Geschlecht, unabhängig von der sozialen und ökonomischen Situation seiner Familie und unabhängig seiner ethnischen Zugehörigkeit.

Jedes Kind soll die Chance haben, seine Bereitschaft, seine Fähigkeiten und seine individuellen Möglichkeiten in die Entwicklung der Gemeinschaft einzubringen.

Wir verstehen uns als „Impulsgeber“. Gemeinsam mit dem Kind entwickeln wir Angebote und Projekte und erarbeiten uns den Alltag, das Zusammenleben in unserer Einrichtung.

Jedes Kind hat bei uns die Chance, seine Fähigkeiten und seine individuellen Möglichkeiten in den Kindergartenalltag einzubringen. Wir pädagogische Fachkräfte achten darauf, dass die Kinder genügend Möglichkeiten finden, den Alltag partizipierend zu gestalten.

Die Kinder entscheiden...

... wo und mit wem sie spielen.
... über ihre Belange des Essens, des Schlafens, der Körperpflege.
... wie wir die Räume gestalten.
... welche Themen wir in Projekten erarbeiten.
„Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen“

                                                                                                                 Francois Rabelais

Uns ist es besonders wichtig, dass auch die Kinder in unserem Kindergarten die Erfahrung machend dürfen, mit ihren Beschwerden oder ihrer Unzufriedenheit wahr und ernst genommen zu werden.

Die Umsetzung des gesetzlich geforderten Beschwerderechts im Kindergartenalltag ist nicht nur eine besonders wertvolle Möglichkeit der Beteiligung, es leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention und trägt wesentlich zum Schutz der Kinder bei. Kinder, die gelernt haben, ihre Bedürfnisse und auch erlebte Ungerechtigkeiten zu äußern und sich selbstbewusst für ihre Rechte einsetzen zu dürfen, sind besser vor der Gefährdung geschützt, in ihrer individuellen Situation und Bedürftigkeit nicht wahrgenommen zu werden.  

Wir leben in unserer Einrichtung eine Beschwerdekultur, die durch eine offene und wertschätzende Haltung gegenüber den von Kindern geäußerten Unzufriedenheiten und Veränderungswünschen geprägt ist. Dabei ist das Alter der Kinder zu berücksichtigen. Bei jüngeren Kindern achten wir auf körperliche Signale, wie Weinen, Wut usw.  Die pädagogischen Fachkräfte reagieren darauf und gehen mit den Kindern in den Austausch: Bei älteren Kindern gibt es - neben den körperlichen Signalen – die Vereinbarung, ihre Beschwerde jederzeit verbal zu äußern.

Im Alltag sind die Kinder soweit partizipiert, dass sie Beschwerden sofort bei den pädagogischen Fachkräften äußern dürfen. Diese werden ernst genommen, sofort entsprechend aufgenommen und es wird, wenn möglich, unmittelbar und situativ mit den Kindern nach Lösungen gesucht.

Beschwerden, deren Bearbeitung einen Aufschub verlangen, weil sie die Gemeinschaft, oder den Kindergartenalltag betreffen, werden in dafür terminierten Morgenkreisen gemeinsam mit der Kindergruppe und in Teamsitzungen thematisiert und Lösungen entwickelt. Um diese Art der Beschwerden der Kinder aufzunehmen, werden sie mit den Kindern visualisiert, gemalt und an einer Beschwerdewand/in einem Briefkasten gesammelt

Bei Streitigkeiten unter den Kindern im Alltag treten die Erzieher bei Bedarf als Schlichter auf. Jedes an dem Streit beteiligte Kind wird angehört und seine Beschwerde oder Sichtweise wird ernst genommen. Gemeinsam wird auch in diesen Situationen unmittelbar nach einer Lösung gesucht. 

Die gelebte Beschwerdekultur und die im Alltag verankerten Verfahren bedeuten für die Kinder, dass sie ihre Beschwerden angstfrei äußern können und die Sicherheit, dass diese eine wertschätzende und respektvolle Bearbeitung finden.

Jeder Pädagoge des Kindergartens ist sich dieser Verantwortung bewusst.

Das Team einigte sich darauf, im Kindergartenjahr 2020/2021 eine Kindergartenverfassung zu entwickeln, in der die Rechte aller Kinder und Pädagogen verbrieft werden. Die Verfassung bildet die Grundlage aller demokratischen Prozesse im Kindergarten und regelt darüber hinaus die Zuständigkeiten der verschiedenen Gremien - von der Kinderkonferenz bis zum Kinderparlament. Durch die Entwicklung dieser demokratischen Strukturen erleben Kinder, welche Möglichkeiten der Beteiligung und Mitbestimmung sie haben und machen die Erfahrung, dass sie durch als Teil der Gesellschaft ihr eigene Lebensumfeld mitgestalten und verändern können.

In diesem Zusammenhang wird auch eine wöchentliche Kindersprechstunde im Büro der Leitung eingerichtet, in der alle Kinder ihre (Veränderungs-)Wünsche, Ideen und Kritik zu äußern können.

Bei allen Prozessen rund um die Entwicklung der Kindergartenverfassung wird den Elternvertreter des Kindergartens und allen Familien ein Anhörungsrecht eingeräumt.